Arterhaltung im Tierpark Nordhorn

Voller Freude wartet Savino Petrucci im Gasthaus „De MalleJan“ auf sein Essen. Beim heutigen Ausflug in den Tierpark darf natürlich ein leckeres Essen nicht fehlen. Neben dem Tiererlebnis und dem Toben auf dem Spielplatz gehört dies einfach zu einem stimmigen Ausflug dazu. Der Nordhorner ist Stammgast im Tierpark. Nicht zuletzt deshalb, weil er wie heute alle seine Freunde und Bekannten immer gerne in den Nordhorner Familienzoo führt. Insbesondere natürlich auch solche aus seiner Heimat Italien. Die regionale Speisekarte im Zoogasthaus mit der leckeren Bratwurst hat es ihm besonders angetan. So weit, so normal könnte man meinen.

Das besondere im Tierpark Nordhorn ist jedoch, dass das Fleisch für viele Produkte vom Bunten Bentheimer Schwein stammt. Einer stark bedrohten alten Nutztierrasse. Und nicht von irgendwelchen Bunten Bentheimer Schweinen, sondern sogar von den eigenen Tierpark-Schweinen. Hinter diesem Konzept steckt die Erkenntnis, dass der Erhalt bedrohter Nutztiere nur durch „Nutzen“, im Fall des Schweines eben durch „Aufessen“, gesichert werden kann. „Als wir das Konzept „Erhalten durch Aufessen“ damals in die Zoowelt gebracht haben, gab es schon einige ungläubige Blicke von Kollegen“ so Zoodirektor Dr. Nils Kramer. „Heute ist dies zum Glück anders geworden.

Das Konzept ist mittlerweile etabliert.“ Dem Tierpark Nordhorn geht es dabei darum, seiner fast halben Million Besucher Zusammenhänge und Produktionsketten aufzuzeigen. Eine der wichtigsten Aufgaben für Zoos ist die Erhaltungszucht bedrohter Tierarten. Auch alte bedrohte Nutztierrassen zählen dazu. Wenn man nun die Frage stellt, warum eine Rasse wie das Bunte Bentheimer Schwein fast ausgestorben wäre, dann liegt dies bei Nutztieren in der Regel daran, dass der Nutzen wegfiel, so Kramer weiter. In der sich professionalisierenden Landwirtschaft in der Wirtschaftswunderzeit gab es neue Schweinezüchtungen, die mehr und schneller Fleisch liefern konnten. Alte Rassen kamen aus der Mode. Als dann auch noch die Menschen nur sehr fettarmes Fleisch verlangten, verschwanden die Bunten Bentheimer Schweine schnell aus den Ställen. Nur auf einem einzigen Betrieb in der Grafschaft Bentheim überlebten einige der Tiere.

Diese bildeten dann auch den Grundstein für den Aufbau einer Erhaltungszucht. Im Jahr 2006 wurde dann im Tierpark Nordhorn auch folgerichtig der „Verein zur Erhaltung der Bunten Bentheimer Schweine e.V.“ gegründet. „Um unseren Aufgaben als Zoo gerecht zu werden, würde ein paar Schweine reichen“, so der Tierparkleiter. „Damit könnten wir unseren Bildungsauftrag erfüllen und auch ab und an welche züchten. Die Rasse hätte dann aber keine Chance auf ein Überleben.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sehr viel mehr Schweine gehalten werden. Nur dann gibt es eine ausreichende genetische Vielfalt, die der Rasse ein langfristiges Überleben ermöglicht.“ Der Anspruch im Nordhorner Familienzoo sei zudem ein anderer. „Wir wollen unseren Besuchern Zusammenhänge und Produktionsketten aufzeigen. In diesem Fall vom Schwein bis zur Wurst!“ so Dr. Nils Kramer. „Wenn wir die Menschen für das Schwein und seine hervorragenden Produkte begeistern, hat diese Rasse eine Chance auf Überleben!“ Zudem kann man im Zoo noch Schweine live erleben, was in der aufgeräumten Agrarlandschaft heutzutage kaum noch möglich ist. Um dies zu ermöglichen greifen die verschiedenen Abteilungen im Tierpark eng ineinander.

Die Tierpflege kümmert sich um die Tiere, die Zooschule um die entsprechende Edukation und die tierparkeigene Gastronomie um die Zubereitung der Speisen. Vom Ferkelstreichelzoo über die Sauen bis eben hin zu den regionalen Produkten auf der Speisekarte, im Tierpark ist die gesamte Produktionskette zu erleben. Fast, denn für die Produktion der Wurstwaren und Fleischprodukte hat der Tierpark in die Hand des örtlichen Fleischerbetriebes Eylering gelegt. „Hierdurch halten wir die Produktionswege kurz und die Qualität der Waren hoch!“ lobt der Abteilungsleiter der Gastronomie, Jörg Kantor, die Zusammenarbeit. „Was wir hier im Tierpark Nordhorn bieten, ist schon einzigartig und echte gelebte Regionalität!“

Besonders stolz ist der Abteilungsleiter der Gastronomie, dass die „Tierparkbratwurst“ vom Bunten Bentheimer Schwein, die man zusammen mit der Fleischerei Eylering entwickelt hat und die nur im Tierpark Nordhorn erhältlich ist, nun mit der Auszeichnung „Gold“ für herausragende handwerkliche Leistungen zur Erhaltung der regionalen Vielfalt der Fleisch- und Wurstkultur errungen hat.

„Diese Auszeichnung bestätigt unser Gesamtkonzept und gibt Freude, es weiter zu entwickeln!“ freut sich Tierparkleiter Dr. Nils Kramer.