59 Millionen Euro in fünf Jahren, 155 Projekte, 55 Länder: Wie zoologische Gärten als operative Partner den internationalen Artenschutz mitgestalten.
Basel/Berlin/Nordhorn, 4. Juni 2026 – 59 Millionen Euro haben VdZ-Zoos in den vergangenen fünf Jahren in Natur- und Artenschutzprojekte weltweit investiert. Jährlich wildern sie rund 500 Tiere aus rund 20 gefährdeten Tierarten in Europa aus – dazu über 230.000 Insekten, Amphibien und Fische. Und sie engagieren sich mit Personal, Expertenwissen und Sachspenden in mindestens 155 Projekten in 55 Ländern weltweit. Die modernen Zoos begeistern ihre Besuchenden immer wieder aufs Neue – alleine im Jahr 2025 besuchten rund 41 Millionen Menschen die Zoos des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ), über 400.000 davon den Tierpark Nordhorn.
Diese Zahlen legte der VdZ bei seiner diesjährigen Jahrestagung in Basel vor. Über 200 internationale Expertinnen und Experten kamen zusammen, um die Zukunft des internationalen Artenschutzes zu gestalten. Neben dem internationalen Artenschutz standen auch die Aktivitäten im regionalen Artenschutz auf der Tagesordnung. So waren auch die Beiträge über die regionalen Artenschutzprojekte des Tierpark Nordhorn ein wichtiger Beitrag zum Forum.
Im Mittelpunkt des dreitägigen Treffens standen strategische Fragen des Artenschutzes – fokussiert auf die gemeinsame Betrachtung von Zoo- und Wildtierpopulationen und die zwingende Zusammenarbeit zwischen der Weltnaturschutzunion IUCN, den Zoos, CITES-Behörden und Bildungseinrichtungen. Höhepunkt war das VdZ Zoo- und Wildtier-Forum: Razan Khalifa Al Mubarak (Präsidentin der Weltnaturschutzunion IUCN), Katja Christ (Vizepräsidentin des Schweizer Nationalrats), sowie Bruno Mainini (Stellvertretender Leiter CITES Behörde Schweiz) begrüßten die Fachleute aus Zoowelt, Politik und Gesellschaft. „Heute sind viele Mitglieder des VdZ Teil des IUCN-Netzwerks und Experten aus Zoos leisten einen direkten Beitrag zur Arbeit der IUCN-Kommission für das Überleben der Arten. Durch diese Zusammenarbeit unterstützen das Wissen und die Fachkompetenz der Zoogemeinschaft den Artenschutz sowohl in der Wildnis als auch durch die Haltung bedrohter Tierarten“, sagt Her Excellency Razan Khalifa Al Mubarak, IUCN-Präsidentin. „Der Verband der Zoologischen Gärten spiegelt dieses Engagement wider. Die Zoos dieses Verbandes begrüßen jedes Jahr Dutzende Millionen Besucher, leisten Beiträge zur wissenschaftlichen Forschung und unterstützen Schutzprojekte auf der ganzen Welt. In einer Zeit, in der der Verlust der biologischen Vielfalt nach wie vor eine der entscheidenden Herausforderungen unserer Zeit darstellt, sind Partnerschaften wie diese wichtiger denn je.“
Dass die internationale Zusammenarbeit erfolgreich ist, verdeutlichen auch die Zahlen der Roten Liste der IUCN. Bis 2022 hat sich der Status von mehr als 200 Arten auch durch die tatkräftige Unterstützung der Zoogemeinschaft auf der Roten Liste verbessert, darunter so bekannte Arten wie das Przewalski-Pferd, der Iberische Luchs, das Goldkopflöwenäffchen, der Waldrapp und der Lear-Ara sowie andere Tierarten, denen im Naturschutz allgemein weniger Aufmerksamkeit oder Mittel zuteilwerden, wie beispielsweise der Moorea-Baumschnecke.
Ein Plan für alle – Zoos als integraler Teil des Artenschutzes
Lange galt die Welt des Artenschutzes als zweigeteilt: hier die Arbeit in der Natur, dort die Haltung von Tierarten in Zoos. Der One Plan Approach der Weltnaturschutzunion IUCN hat dieses Denken überwunden. Die Idee dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll: Wildpopulationen und Populationen in menschlicher Obhut werden nicht länger getrennt gemanagt, sondern gemeinsam als eine Population betrachtet. Zoos sind damit keine Reservate am Rand des Artenschutzes – sie sind ein integraler Bestandteil der globalen Strategie zur Rettung bedrohter Arten.
„Der One Plan Approach spiegelt den Paradigmenwechsel im Natur- und Artenschutz von reinen Bewahrungsstrategien in der Wildbahn hin zu Interventionskonzepten. Diese erkennen menschliches Eingreifen als Schlüssel für zeitgemäße Schutzkonzepte auch außerhalb der noch bestehenden Lebensräume. Wild- und Zootierpopulationen werden gemeinsam als demographische und genetische Subpopulationen eines Gesamt-Systems gemanagt. Das erfordert koordinierte Zuchtprogramme, wissenschaftlich fundiertes Populationsmanagement, Monitoring und langfristige Partnerschaften – genau das, wofür der VdZ und seine Mitglieder stehen“, betont Dr. Dag Encke, Präsident des VdZ.
Tierpark Nordhorn – regionaler Artenschutz im Fokus
Auch der Nordhorner Tierpark ist Teil der großen Zoogemeinschaft und Mitglied im deutschen, europäischen und Weltzooverband. Als regionales Arten- und Naturschutzzentrum hat der Tierpark Nordhorn neben ausgewählten internationalen Artenschutzprojekten einen breiten Schwerpunkt auf regionalen Artenschutzprojekten. Mit vielen verschiedenen Partnern wird so ein Netzwerk gebildet, um mit den Projekten die regionale Arten- und Lebensraumvielfalt zu erhalten. Beispielsweise beim Schutz der heimischen Wiesenvögel, wobei hier speziell die für die Grafschaft typische Charaktervogelart, der Große Brachvogel, im Mittelpunkt steht.
Im Frühjahr 2023 hat der Nordhorner Tierpark zudem ein Amphibienprojekt ins Leben gerufen. Ziel ist es, in den nächsten Jahren eine Übersicht über das Vorkommen und die Bestände der Amphibien in der Grafschaft Bentheim zu erhalten, mithilfe interessierter Bürger unter Anleitung von Zoomitarbeitern. Mit dieser Aktion stärkt der Zoo gleichzeitig die Citizen Sciences – also die Wissensvermehrung durch Bürger.
Durch verschiedene Beweidungsprojekte ist der Zoo zudem aktiv beteiligt, um Lebensräume zu erhalten und damit die Biodiversität zu schützen. Dies ist im Hutewald Bentheim und in den Wacholdergebieten in Bardel und Tillenberge der Fall, in denen robuste Nutztierrassen als sogenannte Kulturschützer im Einsatz sind. In Tillenberge wurde zudem in den vergangenen 2 Jahren erfolgreich die heimische Feldgrille wieder angesiedelt. Die jeweils an die 1.000 ausgesetzten Grillen sind zuvor im Tierpark Nordhorn geschlüpft und aufgezogen worden.
Dank dieser und vieler anderer Projekte werden vom Nordhorner Tierpark und seinen beteiligten Partnern vorhandene Lebensräume erhalten und sogar neue geschaffen. Ein wichtiger Einsatz in Zeiten der schwindenden Biodiversität.