Feldgrillenprojekt im Naturschutzgebiet Tillenberge ist ein voller Erfolg

Bereits zum dritten Mal hat der Tierpark Nordhorn im nahe gelegenen Naturschutzgebiet Tillenberge Feldgrillen ausgewildert. Inzwischen ist der Nachweis gelungen, dass sich die kleinen Insekten dort bereits erfolgreich fortgepflanzt haben.

Feldgrillen sind klein, schwarz und haben wie alle Insekten 6 Beine. Für Dr. Dirk Wewers, den Kurator des Nordhorner Tierparks, sind sie die wohl hübschesten Heuschrecken Deutschlands. Leider ist die Art hier im Nordwesten vom Aussterben bedroht.

„Südlich des Mains kennt vermutlich jeder das Zirpen – den prägnanten Gesang der Männchen. Hier oben ist er so gut wie verschwunden“, so Wewers. „Die flugunfähigen Tiere können Gebiete, aus denen sie einmal verschwunden sind, in der Regel nicht selbst wieder erreichen. Das Naturschutzgebiet in Nordhorn ist ein geeigneter Lebensraum, doch auch hier fehlte die Feldgrille bis vor zwei Jahren.“

Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Grafschaft Bentheim (UNB) führte in dem Gebiet eine Lebensraumpotenzialanalyse und Bestandsaufnahme durch die Ökologische Station Grafschaft Bentheim / Emsland (ÖGE) durch. In dieser Studie wurde bestätigt, dass die Heide im Gebiet Tillenberge einen typischen Lebensraum für die Feldgrille bietet. „Die Feldgrille ist nun eine Bereicherung für das Ökosystem Heide und gibt ihr ihren typischen Klang zurück, denn nun können wir an lauen Sommerabenden dem Zirpen der Feldgrille wieder lauschen“, so Manuela Monzka, Bereichsleiterin der Naturschutzbehörde beim Landkreis Grafschaft Bentheim.

Bereits 2024 wurden zum ersten Mal Feldgrillen in Tillenberge ausgebracht und im Jahr darauf an einer weiteren Stelle in dem Gebiet. Die Zucht der Tiere, die im Tierpark Nordhorn stattfindet, verläuft insbesondere aufgrund des Engagements der Tierpark-Mitarbeiterin Anne Linow sehr erfolgreich. In diesem Jahr konnten so zwischen 700 und 750 Nymphen der Feldgrille ausgebracht werden. Wenn alles wie erwartet läuft, dürfte es jetzt somit eine sich zukünftig selbst reproduzierende Population der Feldgrille in dem Naturschutzgebiet Tillenberge geben.

Der Tierpark Nordhorn engagiert sich als regionales Arten- und Naturschutzzentrum stark im regionalen Artenschutz. Mit seinen Mitarbeitern und Tieren betreut er rund 170 Hektar schützenswerte Lebensräume wie Hochmoor, Hutewald und Wacholderheiden. „Artenschutz ist für uns als Zoo eine der Kernaufgaben,“ so Zoodirektor Dr. Nils Kramer. „Ob weltweit oder vor der eigenen Haustür setzen wir uns für den Erhalt der Tiere und ihrer Lebensräume ein!“ Die Wacholderheide wird nur dank des Engagements der verschiedenen Partner als Lebensraum erhalten bleiben, denn sie ist nicht nur ein wertvoller Naturraum, sie ist auch Kulturraum und wurde über Jahrhunderte unter anderem durch Schafbeweidung von Mensch und Vieh geschaffen. Die Feldgrille soll in der Wacholderheide eine wertvolle Bereicherung für den Lebensraum darstellen, denn sie dient natürlich auch vielen anderen seltenen Arten wie Eidechsen und Vögeln als Nahrung.

Die Nachhaltigkeit des Projektes wird in den kommenden Jahren überprüft. Ob und wie viele weitere Auswilderungen notwendig sind oder ob die Population sich schon selbst trägt, ist Gegenstand dieser Untersuchungen. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch die UNB-Grafschaft Bentheim und die im Tierpark ansässige ÖGE, die die Entwicklung und Ausbreitung der Grillen im neuen Lebensraum Tillenberge genau beobachten werden.

 

Die Feldgrille

Die Feldgrille (Gryllus campestris) ist eine Heuschrecke aus der Familie der echten Grillen (Gryllidae). Mit etwa zwei Zentimeter Körperlänge und einer rundlichen Körperform erreicht sie eine beachtliche Größe. Die Tiere leben in selbstgegrabenen Röhren und sind flugunfähig. Die Feldgrille ist in Süddeutschland noch relativ häufig. Im Norden ist sie seltener und durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die Verinselung der Vorkommen überwiegend auf die verbliebenen großen Heidegebiete wie die Lüneburger Heide, die Senne oder wenige kleinere Heidegebiete nordwestlich bis ins Emsland beschränkt. Ihr sandgeprägter Lebensraum in Nordwestdeutschland ist historisch eng mit der Wanderschäferei verbunden und ist durch Zerschneidung stark fragmentiert. Die Tiere können Gebiete, aus denen sie einmal verschwunden sind, in der Regel nicht selbst wieder erreichen.