Historische Scheune wird zum Lernort über Haustiere und invasive Arten.
Pünktlich vor dem Start der Sommerferien hat der Tierpark Nordhorn sein neuestes Bauprojekt in der Historischen Vechtewelt für Besucher geöffnet. Die Tierscheune ergänzt das stetig wachsende Vechtedorf um einen weiteren authentischen Baustein regionaler Kulturgeschichte und verbindet historischen Gebäudeschutz mit moderner Umweltbildung.
Bei der Tierscheune „Heckmann“ handelt es sich um eine rund 150 Jahre alte Scheune aus dem Nordhorner Stadtteil Bookholt. Das historische Gebäude wurde vor einigen Jahren sorgfältig abgetragen, eingelagert und nun im Vechtedorf des Tierparks mit seinen Originalbauteilen wieder aufgebaut. Damit konnte ein wichtiges Zeugnis regionaler Baukultur für kommende Generationen erhalten werden. Das Projekt wird mit 150.000 € über LEADER gefördert. Die Zuwendung wird gewährt aus Mitteln der Europäischen Union aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).
Als erste Bewohner sind nun Cuys in die neue Anlage eingezogen. Die südamerikanischen Riesenmeerschweinchen unterscheiden sich deutlich von den in Deutschland bekannten Hausmeerschweinchen. Während ein gewöhnliches Meerschweinchen meist weniger als ein Kilogramm wiegt, können Cuys bei entsprechender Haltung ein Gewicht von bis zu drei Kilogramm erreichen. „Mit den Cuys möchten wir zeigen, dass die Beziehung zwischen Mensch und Tier kulturell geprägt ist“, erklärt Tierparkleiter Dr. Nils Kramer. „Welche Tiere wir als Haustiere betrachten und welche Tiere der Lebensmittelversorgung dienen, unterscheidet sich weltweit teilweise erheblich.“
In vielen Regionen Südamerikas werden Cuys seit Jahrhunderten gehalten. Dort erfüllen sie eine ähnliche Rolle, wie sie früher Kaninchen in zahlreichen deutschen Arbeiter- und Bauerngärten innehatten. Während Kaninchen hierzulande über Generationen hinweg häufig für die Eigenversorgung gezüchtet wurden, gehören Cuys in den Andenstaaten bis heute zu den traditionellen Nutztieren und gelten dort als beliebte Delikatesse.
Die neue Tierscheune greift dieses Thema auf und macht die Entwicklung von Haustieren, ihre Nutzung durch den Menschen und unterschiedliche kulturelle Sichtweisen erlebbar. Damit erweitert der Tierpark sein Bildungsangebot in der Historischen Vechtewelt um einen weiteren spannenden Aspekt der Mensch-Tier-Beziehung.
Doch die Tierscheune wird künftig noch mehr erzählen: In einen weiteren Teil des Gebäudes sollen später Waschbären einziehen. Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Tierart breitet sich seit Jahren auch in Niedersachsen zunehmend aus und gilt als sogenannte invasive Art. An ihrem Beispiel möchte der Tierpark künftig über die Auswirkungen eingeschleppter Tierarten auf heimische Ökosysteme informieren. „Die Tierscheune verbindet gleich mehrere wichtige Aufgaben eines modernen Zoos“, so Kramer. „Wir bewahren regionale Geschichte, vermitteln Wissen über Haustierhaltung und schaffen gleichzeitig Verständnis für aktuelle Naturschutzthemen wie invasive Arten.“
Mit der Eröffnung der Tierscheune wächst die Historische Vechtewelt erneut um einen attraktiven Anziehungspunkt. Besucher können die neue Anlage ab sofort im Rahmen ihres Tierparkbesuchs entdecken.