Ehrenamtliches Mobilitätsangebot steuert den Familienzoo an.
Vor etwa einem Jahr erreichte den Tierpark Nordhorn eine ungewöhnliche Anfrage: Die Nordhorner Initiative „Die Rikscha“ fragte an, ob der Familienzoo künftig als Ausflugsziel für ihre ehrenamtlichen Fahrten infrage käme. Schnell kam es zu einem gemeinsamen Gespräch – und die Idee stieß bei den Verantwortlichen des Tierparks sofort auf offene Ohren. Seitdem gehört der Zoo zu den beliebtesten Zielen der Rikschatouren.
Gegründet wurde die Initiative vor rund vier Jahren von Günter Behrendt. Ziel ist es, Menschen mit eingeschränkter Mobilität aus der Isolation zu holen und ihnen wieder mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Die Nordhorner GMP-Stiftung finanzierte die erste Rikscha und unterstützt das Projekt bis heute. Im Frühjahr 2023 starteten die ersten Fahrten. Damals engagierten sich rund 16 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer, die bis Ende 2024 bereits rund 500 Ausflüge ermöglicht hatten.
In einer Rikscha finden zwei Fahrgäste Platz. Die Touren führen zu Lieblingsorten in Nordhorn – etwa in ein Café, an den Vechtesee oder in die Natur. Die Fahrgäste werden aus Seniorenheimen, Tages- und Kurzzeitpflegeeinrichtungen sowie Einrichtungen der Lebenshilfe abgeholt.
„Es ist toll, dass inzwischen so viele Einrichtungen in Nordhorn dabei sind“, freut sich Günter Behrendt.
Gleichzeitig weist er darauf hin, dass jede Fahrt für die Einrichtungen mit organisatorischem Aufwand verbunden ist: „Die Seniorinnen und Senioren müssen pünktlich bereitstehen und dem Wetter entsprechend gekleidet sein. Das kann nicht jede Einrichtung leisten.“
Mit der steigenden Nachfrage wuchs auch die Initiative. In den Jahren 2025 und 2026 kamen zwei weitere Rikschen hinzu – eine als Privatspende, die andere durch eine Förderung der Aktion Mensch über die Lebenshilfe. Eine Rikscha kostet zwischen 8.000 und 15.000 Euro. Gleichzeitig konnten zahlreiche neue Ehrenamtliche gewonnen werden. Heute engagieren sich bereits 38 Fahrerinnen und Fahrer mit einem fünfköpfigen Organisationsteam. Zwei ehrenamtliche Monteure sorgen zudem dafür, dass die Fahrzeuge jederzeit einsatzbereit sind.
Mit dem Wachstum entstand auch der Wunsch nach besonderen Ausflugszielen. So rückte der Tierpark Nordhorn in den Fokus. Viele Seniorinnen und Senioren kennen den Zoo noch aus ihrer Kindheit oder Jugend. Der Familienzoo am Heseper Weg blickt inzwischen auf eine mehr als 75-jährige Geschichte zurück und hat sich seit seiner Gründung stetig weiterentwickelt.
Bevor die ersten Fahrten starten konnten, war allerdings einiges vorzubereiten. Nachdem Hermann Buitkamp aus dem Organisationsteam den Kontakt zum Tierpark hergestellt hatte, wurde zunächst getestet, ob die breiten Rikschen alle Wege problemlos befahren können. Auch die Einlasssituation sowie einzelne Bereiche des Zoos wurden geprüft. Nachdem alle organisatorischen Fragen geklärt waren und jede Rikscha mit einer Jahreskarte ausgestattet worden war, folgte eine besondere Schulung für die Ehrenamtlichen: Ina Deiting, Leiterin der Zooschule, führte die Fahrerinnen und Fahrer bei einem abendlichen Rundgang samt Rikscha durch den Tierpark. Dabei vermittelte sie Wissenswertes über Tiere, Gebäude und zukünftige Projekte, sodass die Ehrenamtlichen ihren Fahrgästen unterwegs spannende Informationen mit auf den Weg geben können.
Im Oktober 2025 fanden schließlich die ersten Fahrten in den Tierpark statt. Die Touren werden jeweils von März bis November angeboten. Dass der Zoo zu einem echten Lieblingsziel werden würde, zeigte sich schnell: Bereits in den letzten Wochen der ersten Saison wurden elf Fahrten in den Familienzoo unternommen. In diesem Jahr sind es bereits 33.
„Die Touren in den Zoo machen nicht nur unseren Seniorinnen und Senioren viel Spaß“, sagt Hermann Buitkamp. „Auch unsere Fahrerinnen und Fahrer kommen immer wieder gerne hierher. Die Mitarbeitenden des Tierparks sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, und auch die Besucherinnen und Besucher reagieren durchweg positiv.“
Ein besonderer Höhepunkt ist für viele der Halt am historischen Vechtebauernhof. Wenn Bauer Jan vor Ort ist, nimmt er sich gerne Zeit für die Gäste, zeigt ein Ferkel, ein Lamm oder eine Kuh und füttert gemeinsam mit ihnen Tauben und Hühner. Solche Begegnungen sorgen regelmäßig für strahlende Gesichter.
Über die Freiwilligenagentur des Landkreises Grafschaft Bentheim sind die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer gemeldet und versichert. Neben der GMPStiftung und dem Landkreis Grafschaft Bentheim zählt auch die Lebenshilfe zu den wichtigsten Partnern der Initiative. Sie unterstützte nicht nur die Anschaffung einer Rikscha, sondern stellt an ihrem Standort an der Von-Behring-Straße auch einen festen Stellplatz zur Verfügung. Viele Fahrten werden zudem gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Lebenshilfe durchgeführt.
„Wir sind sehr froh, die Kooperation mit der Initiative ‚Die Rikscha‘ eingegangen zu sein“, sagt Tierpark-Pressesprecherin Ina Deiting. „Es ist schön zu sehen, wie viel Lebensfreude und Abwechslung die Fahrten in den Alltag der Seniorinnen und Senioren bringen. Wir hoffen, auch in den kommenden Jahren auf diese Weise vielen Menschen eine Freude bereiten zu können.“
Foto (Wilfried Jürges): Günter Behrendt und Ina Deiting begleiteten die Tour durch den Tierpark. Fahrerin Gea Schivink mit Altien Legtenborg, sowie Fahrer Hermann Buitkamp mit Jenni
Sablowski (helle Kleidung) und Stefanie Bernds freuten sich besonders darüber, dass Bauern Jan etwas Zeit am Vechtehof hatte.