Oktober 2026 – Tierpfleger, Tierärzte, Gärtner, Handwerker, Forscher, Pädagogen: In wissenschaftlich geführten Zoos sorgen Menschen aus Dutzenden Berufen gemeinsam für Tierwohl, Artenschutz, Forschung und Bildung – oft lange bevor die ersten Gäste kommen und natürlich auch am Welttierschutztag.

Um acht Uhr geht es am sogenannten „Geierfelsen“ noch gemütlich zu. Zootierpfleger Tom ten Tusscher schließt die Tür auf, begrüßt die dort gemeinsam lebenden Sibirischen Steinböcke, Gänsegeier und Waldrappe und beginnt mit einer der wichtigsten Aufgaben seines Berufs: genau hinzuschauen. Hat jedes Tier gefressen? Bewegt es sich wie gewohnt? Ist es aufmerksam? Gibt es Veränderungen im Verhalten oder im Erscheinungsbild? „Ich sehe schon am Verhalten des Tiers, ob etwas nicht stimmt“, sagt Tom, der bereits seit 20 Jahren als Tierpfleger im Nordhorner Tierpark arbeitet. Diese tägliche, genaue Beobachtung ist ein wichtiger Baustein für das Wohlergehen der Tiere. Denn Tierwohl bedeutet weit mehr als Futter und ein sauberes Gehege: Es geht darum, die individuellen Bedürfnisse der Tiere zu kennen, Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen und Haltung, Beschäftigung und Versorgung immer wieder darauf abzustimmen.
Der Welttierschutztag am 4. Oktober erinnert seit fast 100 Jahren an die besondere Verantwortung des Menschen für Tiere und ihr Wohlergehen. Am selben Tag rückt der International Zookeeper Day diejenigen in den Fokus, die diese Verantwortung in Zoos täglich ganz konkret übernehmen: Tierpflegerinnen und Tierpfleger. Er macht auf ihr Fachwissen und ihren Einsatz aufmerksam und darauf, welche zentrale Rolle sie für das Wohlergehen der ihnen anvertrauten Tiere spielen. Viele Aspekte dieser verantwortungsvollen Arbeit bleiben für Besucherinnen und Besucher eines modernen Zoos meist unsichtbar. Was beispielsweise am „Geierfelsen“ im Tierpark Nordhorn beginnt, gehört zum Alltag in den 71 wissenschaftlich geführten Zoos im Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien. Rund 41 Millionen Gäste besuchen diese Zoos im Jahr.

Von der Futterküche bis zur Werkstatt
Tierpflegerinnen und Tierpfleger begleiten ihre Tiere oft über viele Jahre. Doch für das Wohlergehen der Tiere und das Funktionieren des Zoobetriebes arbeiten im Nordhorner Familienzoo fast 200 Mitarbeiter in den unterschiedlichsten Bereichen Hand in Hand. Zootierärztin Dr. Heike Weber begleitet die Tiere medizinisch, kümmert sich um Vorsorge und Impfungen und hat gemeinsam mit dem Tierpflegeteam ihre Gesundheit im Blick. Kuratorinnen und Kuratoren schauen hingegen weit über den einzelnen Zoo hinaus: Im Rahmen der Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) koordinieren Zoos gemeinsam die Zucht bedrohter Tierarten. Dabei geht es unter anderem darum, welche Tiere genetisch gut zusammenpassen. Gleichzeitig beschäftigen sie sich damit, wie Lebensräume im Zoo gestaltet sein müssen, damit sie den Bedürfnissen ihrer tierischen Bewohner gerecht werden. Aber auch abseits der Tiergehege wird für das Wohl von Tieren gearbeitet. Gärtnerinnen und Gärtner pflegen den Baumbestand und die Grünanlagen und sorgen mit dafür, dass auch wildlebende Tiere wie Igel, Fledermäuse und Insekten im Tierpark Nordhorn Nahrung, Rückzugsorte und Lebensraum finden. Das Handwerkerteam des Tierparks baut Klettermöglichkeiten und Rückzugsorte und trägt damit ganz praktisch zur tiergerechten Gestaltung der Anlagen bei.
Zoopädagoginnen und Zoopädagogen schließlich tragen das Wissen über Tiere weiter. Sie zeigen Schulklassen ebenso wie erwachsenen Interessierten wie Tiere leben, welche Bedürfnisse sie haben und warum viele Arten in ihren natürlichen Lebensräumen bedroht sind. Hinzu kommen viele weitere wichtige Bereiche – von Haustechnik und Verwaltung über Kasse und Reinigung bis zur Gastronomie. Überall sind es Menschen, die den Zoo mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihrer persönlichen Verbundenheit zu einem besonderen Ort für Tiere und Menschen machen. So unterschiedlich ihre Aufgaben auch sind, sie alle tragen ihren Teil dazu bei, dass Tiere gut versorgt werden und Besucherinnen und Besucher ihnen mit Wissen und Verständnis begegnen können.

„Tierwohl entsteht nicht auf dem Papier, sondern wird jeden Tag gelebt. Dafür braucht es ein Team aus gut ausgebildeten Menschen – von der Tierpflege und Tiermedizin über die Gärtnerei und Werkstatt bis hin zu Zoopädagogik, Verwaltung und dem ersten Lächeln an der Kasse“, sagt Zoodirektor Dr. Nils Kramer. Kramer weiter: „Um die vielfältigen Aufgaben moderner Zoos zu erfüllen, brauchen wir Expertinnen und Experten aus ganz unterschiedlichen Berufen, die ein gemeinsames Ziel verbindet: dass es den Tieren gut geht. Gleichzeitig lernen wir immer mehr über die Tiere, ihre Bedürfnisse und ihr Verhalten. Dieses Wissen geben wir weiter: an unsere Besucherinnen und Besucher, in der Bildungsarbeit und im wissenschaftlichen Austausch. Und wir bringen es in ein starkes Netzwerk engagierter Partner ein. Denn Tierwohl, Bildung, Forschung sowie Arten- und Naturschutz gehören zusammen. Nur gemeinsam können wir Verantwortung für die Tiere übernehmen und bedrohte Arten langfristig schützen.“

Quellen: Die genannten Zahlen stammen aus den regelmäßigen Abfragen unter den 71 VdZ-Zoos (https://vdz-zoos.org/ueber-uns/faktenblatt)