April 2026 – Der Tierpark Nordhorn als regionales Arten- und Naturschutzzentrum hat gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Grafschaft Bentheim sowie der Jägerschaft Grafschaft Bentheim einen Leitfaden zum Umgang mit Wiesenvogelgelegen – etwa von Brachvogel und Kiebitz – erarbeitet und veröffentlicht.
Mit Beginn des Frühjahrs startet auch die Mähsaison auf den Wiesen der Region. In den Flächen befinden sich jedoch nicht nur junge Hasen und frisch gesetzte Rehkitze, sondern häufig auch Nester von Bodenbrütern wie Fasan, Stockente und insbesondere von stark bedrohten Wiesenvögeln wie Brachvogel und Kiebitz. Der Schutz dieser Arten stellt alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen.
Landwirte und Flächenbewirtschafter sind verpflichtet, Wiesen vor der Mahd sorgfältig auf dort abgelegte Tiere abzusuchen. Verstöße wurden in der Vergangenheit bereits mit empfindlichen Geldstrafen geahndet. Jäger sowie zahlreiche ehrenamtliche Helfer unterstützen diese Aufgabe mit großem Engagement. Oft kommen dabei moderne Technologien wie Drohnen zum Einsatz. Gefundene Jungtiere werden gesichert und an den Rand der Flächen verbracht, sodass ein gefahrloses Mähen möglich ist. Nach dem Mähen werden die Tiere zurückgesetzt oder laufen gelassen.
Bei Gelegen und Eiern gestaltet sich die Situation jedoch deutlich anders: Diese können nicht einfach entfernt und später wieder zurückgesetzt werden, sondern müssen an Ort und Stelle geschützt werden. Während Eier jagdbarer Arten wie Fasan oder Stockente unter bestimmten Bedingungen entnommen und beispielsweise in Brutkästen aufgezogen werden dürfen, ist dies bei Wiesenvögeln wie Brachvogel und Kiebitz strikt verboten. Ihre Nester müssen unbedingt in der Fläche verbleiben und dort geschützt werden. Zwar wird die Feldbearbeitung dadurch etwas eingeschränkt, rechtlich besteht jedoch keine Alternative – und viele Landwirte sehen darin einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.
„Wir Jäger setzen uns mit viel Engagement für die Jungtierrettung ein – für alle Tiere, nicht nur für das Wild. Durch die Zusammenarbeit mit unseren Partnern verbessern wir die Abläufe und das Wissen auch für Brachvogel und Co. Morgens um 4 Uhr stehen in den nächsten Wochen viele Jäger und Helfer in den Wiesen und Feldern und unterstützen die Landwirte“, so Rüdiger Köhler, Vorsitzender der Grafschafter Jägerschaft.
Zoodirektor Dr. Nils Kramer ergänzt: „Wir haben als Region eine große Verantwortung für die bedrohten Wiesenvögel. Es ist großartig, dass die Jägerschaft sich auch für diese Vögel einsetzt – nicht nur bei der Kennzeichnung der Gelege, sondern auch beim Prädatorenmanagement.“
Ein häufiges Problem in der Vergangenheit war die unbeabsichtigte Entnahme von Eiern aufgrund von Verwechslungen. So wurden etwa Brachvogelgelege fälschlicherweise für Fasanennester gehalten. Mit bester Absicht machte sich der Entnehmer der Eier dann strafbar. Auch fachlich ist die Aufzucht von Brachvögeln deutlich anspruchsvoller: Sie sind sehr empfindlich, benötigen spezielles Futter und eine andere Betreuung als andere Küken. Zwar verfügt der Tierpark über entsprechende Erfahrung, die beste Aufzucht erfolgt jedoch weiterhin durch die Elterntiere in der Natur.
Um solche Fehler zu vermeiden, haben die Projektpartner eine Bestimmungshilfe und einen Handlungsleitfaden entwickelt. Diese ermöglichen es, Eier verschiedener Arten sicher zu unterscheiden – auch direkt vor Ort, unterstützt durch Smartphone-Technik, Fotos und KI-Anwendungen. So legt der Brachvogel in der Regel vier Eier, während Fasane deutlich größere Gelege haben; auch Farbe und Musterung unterscheiden sich klar. Der Leitfaden zeigt praxisnah, wie der Schutz von Gelegen in der Fläche gelingen kann.
Eine bewährte Methode ist das Auspflocken der Nester mit einfachen Stöcken. So werden die Gelege für Landwirte und Lohnunternehmer sichtbar gemacht und können bei der Mahd ausgespart werden.
Weitere Informationen sowie die Bestimmungshilfe für Wiesenvogelgelege sind auf der Website des Tierparks Nordhorn unter https://www.tierparknordhorn.de/brachvogel-schutz-tierpark-nordhorn/ verfügbar.