Schwules Gänsegeier-Pärchen brütet

Tierpfleger schieben „Verliebten“ im Tierpark Nordhorn ein Ei unter

Die Geschichte der Geierzucht im Nordhorner Familienzoo ist seit Jahren schon sehr speziell. Vor rund 20 Jahren berichtete die Presse erstmals über die „Boygroup“ in der Geiervoliere. Viele Geier, schöne Nester, aber nie ein Ei – das hatte die Zooleitung damals zu einer Genanalyse veranlasst, die Licht ins Dunkel brachte. Es handelte sich um eine reine Junggesellengruppe!

Nach ehrgeiziger Suche konnten dann endlich Heiratskandidaten für die Gruppe organisiert werden und im Jahr 2000 gab es den ersten Erfolg. Geierfrau „Lisa“ zog erstmals in der Tierparkgeschichte ein Küken in der Grafschaft Bentheim auf. Noch drei weitere Male hat es seitdem mit der Naturbrut in der Geiervoliere geklappt, zuletzt im Jahr 2012. Irgendwie hapert es bei „Lisa“ seither mit dem richtigen Partner. Die Auswahl ist da, aber einer ihrer Auserwählten fühlt sich noch immer zum gleichen Geschlecht hingezogen. Und so sind nur „Isis“ und „Nordhorn“ so richtig dicke in der Geiervoliere und hatten es sich zu Beginn des Jahres in ihren kleinen Kopf gesetzt ein gemeinsames Nest auf den Felsen zu bauen. Kein Interesse an „Lisa“ und den schönen vorbereiteten Nestplattformen.

Auch die Versuche, den bevorzugten Nistplatz für Geierdame „Lisa“ und einen Geier ihres Herzens frei zu halten, waren nicht von Erfolg gekrönt – die beiden männlichen Geier blieben bislang hartnäckig und haben mit stoischer Ruhe ihr Nest immer weiter ausgebaut!

Es klingt beinahe wie in einem Märchen – eines Tages fiel einer Tierpflegerin auf, dass Geierdame „Lisa“ seltsam zusammengekrümmt auf einem Ast saß. „Plötzlich sah ich ein Ei aus fast 2 Metern Höhe in den durch vielen Regen völlig aufgeweichten Boden fallen!“, so die Tierpflegerin, die zur rechten Zeit am rechten Ort war. Das Ei konnte tatsächlich unbeschadet aus dem Matsch befreit werden und landete zunächst in der Brutmaschine des Tierparks. Nun war guter Rat teuer. „Wir hatten nach vielen Jahren ohne Zuchterfolg endlich mal wieder ein Geierei, aber keine brütende Geierdame“, so Tierparkleiter Dr. Nils Kramer. Eine Handaufzucht schied für den Tierpark aus, denn schnell werden Geier auf Menschen fehlgeprägt. In der begehbaren Anlage im Nordhorner Zoo ist dies keine Option.

So wurde in der Leitungsrunde im Tierpark mit Heiterkeit, aber ernsthaftem Hintergrund, die Entscheidung getroffen, es auf anderem Wege mit der Naturbrut zu probieren. „Isis“ und „Nordhorn“ sind so nun auch noch zu ihrem Ei gekommen!

Jetzt heißt es abwarten, denn ob das Ei wirklich befruchtet ist und sich überhaupt ein Geierküken entwickelt. Ob sich die beiden Männer ausreichend um die Kostbarkeit in ihrem Nest kümmern, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.