Der Tierpark Nordhorn – ein Rückblick und Ausblick

Neuer Besucherrekord in 2017 mit fast 440.000 Besuchern – 2018 niedersachsenweit einmalige „Weltgartenausstellung“ im Zoo

Am Ende besuchten knapp 440.000 Besucher den Tierpark Nordhorn im Jahr 2017. Damit wurde nicht nur zum vierten Mal in Folge die Marke von 400.000 Besuchern geknackt, sondern nochmals eine deutliche Steigerung zu den Vorjahren erzielt. „Wir freuen uns sehr über diesen Zuspruch!“ so Zoodirektor Dr. Nils Kramer. „Die Besucher honorieren den eingeschlagenen Kurs, darauf wollen wir aufbauen!“

Dank dieser Besucherzahlen ist der Familienzoo die mit Abstand größte tagestouristische Einrichtung in der Region. Sein Einzugsgebiet reicht weit über die Grenzen Nordhorns und der Grafschaft Bentheim hinaus. Rund die Hälfte der Besucher kommt aus den Niederlanden, viele natürlich aus den nahgelegenen Regionen Twente und Drenthe, mit steigender Tendenz. Denn das Einzugsgebiet des Tierparks wächst weiter und lockt sogar Übernachtungsgäste von weit weg in die Region, wie eine Untersuchung in Kooperation mit der Hochschule Osnabrück- Campus Lingen gezeigt hat. Dank der Kaufkraft der Besucher profitiert die Region als Ganzes von dieser Entwicklung. Eine jüngste Untersuchung des Büros Project M und der Euregio haben gezeigt, dass niederländische Tagestouristen 52,30 Euro pro Person in der Grafschaft Bentheim ausgeben.

„In der touristischen Weiterentwicklung liegt eine große Chance für diese attraktive Region!“ so der Tierparkleiter. „Hier sind noch viele Schätze unentdeckt!“

In anderen touristischen Einrichtungen wie der Burg, den Museen und dem Bronzezeithof sieht der Nordhorner Familienzoo deshalb auch ausdrücklich keine Konkurrenz, sondern eine Bereicherung der touristischen Landschaft, die es zu stärken gilt. „In der Summe haben wir mehr zu bieten!“ ist Kramer überzeugt.

Auch aus diesem Grund ist der Tierpark an vielen Stellen in der Grafschaft aktiv. Als regionales Arten- und Naturschutzzentrum hat der Tierpark neben der Betreuung verschiedener Naturgebiete und dem Haus- und Nutztiertag in Uelsen im letzten Jahr vor allem sein Bildungskonzept der Zooschule mit den „Grafschafter Naturschutzrangern“ ausgeweitet. Nachdem in einer Testphase im Hutewald das Projekt so gut angenommen wurde, konnten im letzten Jahr in Kooperation mit der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim weitere „Grafschafter Naturschutzranger“ ausgebildet werden. Diese sind seitdem in Emlichheim mit dem „schwimmenden Klassenzimmer“ auf der Vechtezomp, in den Wacholderheidegebieten „Tillenberge“ und „Bardel“, sowie weiterhin stark in Bad Bentheim im Hutewald unterwegs. Als regionales Arten- und Naturschutzzentrum möchte der Familienzoo Vorreiter und Ideengeber eines sanften Naturtourismus sein und Touristen und Einheimischen die Schönheit der Natur vor Ort näherbringen. Die Testphase war sehr erfolgreich. Das Konzept zu den diesjährigen Führungen wird gerade ausgearbeitet, so Kramer.

Im direkten Umfeld wünscht sich der Tierpark ebenfalls einen Ausbau der touristischen Infrastruktur. Die Anbindung des „Grafschafter Sport- und Freizeitpark“ über die Vechte hinweg an Tierpark, Vechtesee und Innenstadt sei ein wichtiger Baustein um das Thema „Wasserstadt“ weiter zu beleben. Eine Brücke wäre natürlich ideal, aber auch eine attraktive Kurbelfähre könne eine echte Bereicherung sein, heißt es hierzu aus dem Tierpark.

Der Tierpark selber hat in diesem Jahr viel vor. Dabei geht es dem Zoodirektor vor allem darum, den Markenkern als „Familienzoo“ weiter zu stärken. Im Mittelpunkt stehen die Kinder und deren Begeisterung für die Tiere. Aber alle Altersklassen sollen sich im Tierpark wohlfühlen. Dass alle Hauptwege im Zoo seit vergangenem Jahr barrierefrei gestaltet sind, sei ein echter Mehrwert.

Unter Berücksichtigung der zentralen Aufgaben als wissenschaftlich geführter Zoo – Erholung und Freizeit, Arten- und Naturschutz, Bildung und Forschung soll im Tierpark weiter investiert werden. Diese Leitlinien sollen auch in Zukunft mit Blick auf die Zielgruppe weiterverfolgt werden. Mit dem hautnahen Tiererlebnis in entspannter Atmosphäre kann nach Ansicht des Tierparkchefs genau dies erreicht werden. Hierdurch kann eine Begeisterung geschaffen werden, die das ganze Leben lang prägt und für Tier und Umwelt sensibilisiert. Eine Herausforderung dabei ist es, diese einzelnen Aufgaben und Erlebnisse zu einem stimmigen Gesamteindruck zusammenzuführen. „Wenn die Leute bei uns einen Tag Glück erleben, haben wir unser Ziel erreicht!“ so Kramer weiter.

An diesem Ziel will der Tierpark in 2018 kräftig arbeiten. „Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung wollen wir unseren Kurs beibehalten. Mutige Ideen und vorsichtige Planung, damit sind wir gut aufgestellt.“ so Geschäftsführer Dr. Kramer. Über 170 Mitarbeiter sind in der letzten Saison damit beschäftigt gewesen in den ganz unterschiedlichen Bereichen für das Wohl der Besucher zu arbeiten. Von der Parkreinigung über das Handwerk bis zur Kasse, von der Tierpflege über die Verwaltung bis zur Gastronomie, alles sind direkte Mitarbeiter der gemeinnützigen GmbH. Auch der Zooshop, die Ferienhäuser und die Gastronomie betreibt der Tierpark mit eigenen Mitarbeitern. „Überall wo Tierpark draufsteht, ist auch Tierpark drin!“ so Kramer.

„Seit 2012 haben wir rund sieben Millionen Euro in neue Gehege, Infrastruktur und vieles mehr investiert!“ berichtet Kramer. Dabei ist der Tierpark bemüht in erster Linie regionale Firmen zu berücksichtigen umso den Zuspruch aus der Region auch wieder an die Region zurück zu geben.

Veranstaltungen

Neben neuen Attraktionen im tiergärtnerischen Bereich zeichnet sich der Tierpark Nordhorn seit Jahren durch attraktive Veranstaltungen aus, welche den Besuchern von Januar bis Dezember ein abwechslungsreiches Programm bieten. Im Jahr 2018 gibt es wieder viele traditionelle Elemente. Gleich drei Mal vertreten ist die ehrenamtlich tätige Vechtehoffamilie des Groafschupper Plattproaterkrings. Einige Mitglieder bestreiten zudem wieder die beliebten Plattproaterabende im Februar und März mit Dönkes up Platt und „Moosetten“. Ebenfalls schon lange Tradition im Jahreskalender sind Kinderkarneval, der kleine Korbflechtertag, Greifvogelvorführungen, Ostereiersuchen, der große Kindertag mit Flohmarkt, von der Wolle zur Socke, die einzige Abendveranstaltung „Sommerfest“, der GN-Familientag, der Vechtehoftag mit Grafschafter Bauernmarkt, der Oldtimertreff, der große Zootag mit freiem Eintritt für Jedermann, der stetig ausgebaute Weihnachtsmarkt und zum Ende des Jahres das Schuhsohlenbacken von Zoofreunden, Nachbarn und dem rührigen Förderverein. Die Stofftierklinik, bei der die kleinen Besucher ihr Stofftier zum Zootierarzt bringen können, findet in 2018 erstmals auf einem Sonntag und insgesamt bereits zum dritten Mal statt und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Im festen Zweijahres-Rhythmus kommt in diesem Jahr die IG Arbeitspferd e.V. wieder für drei Tage zu Gast in den Familienzoo. Zum zweiten Mal wird es im Herbst einen Natur- und Artenschutztag geben, bei dem sich die vielen ehrenamtlich tätigen Vereine und Verbände denen der Zoo verbunden ist mit Informationsständen und Aktionen für Kinder präsentieren.

„Wir sind nicht nur ein Tierpark, sondern auch „Eventzoo“ im positiven Sinne“, so Tierparkleiter Nils Kramer. „Mit den verschiedenen Veranstaltungen möchten wir zum einen den zahlreichen Dauergästen danken und ihnen attraktive Abwechslung bieten. Zum andern begeistern wir auch Personenkreise, die nicht zu den ständigen Zoogästen gehören und dadurch vielleicht wieder mehr Lust auf einen Tierparkbesuch bekommen“, so Kramer weiter. „Außerdem bieten die Veranstaltungen den vielen verschiedenen, zumeist ehrenamtlich tätigen Vereinen und Verbänden eine Plattform um sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ohne diesen sehr großen Personenkreis wäre ein derart ausgefülltes Programm in unserem Zoo zudem überhaupt nicht realisierbar!“

Zooschule

Der positive Trend in der Bildungsarbeit des Tierparks hält weiter an. Mittlerweile konnte die sechste Kooperationsschule begrüßt werden, welche den außerschulischen Lernort Zoo nutzt. Nachdem das Gebäude der Zooschule auch dank der großzügigen Unterstützung der Grafschafter Sparkassenstiftung im Sommer 2016 in Betrieb genommen werden konnte, ist es mittlerweile mit den Bildungsangeboten sehr gut ausgelastet.

Das Interesse seitens der Schulen ist groß und verschiedene Bildungsangebote wurden bereits zusammen entwickelt. Vom regulärem wöchentlichen Biologieunterricht über regelmäßige Arbeitsgemeinschaften bis hin zu Themen- und Projekttagen gibt es eine große Vielfalt an Kooperationen.

Aber auch die private Nachfrage nach geführten Touren durch den Zoo steigt. Viele Seniorengruppen, Vereine und Clubs buchen eine Themenführung zum Beispiel „Hinter die Kulissen“ des Zoos. Ganz stark nachgefragt sind nach wie vor die Kindergeburtstagsprogramme. Der Tierpark bietet den Familien spannende „Rundum-Sorglos-Pakete“ an, inklusive Führung, Essen und Give away Tüten für die Geburtstagsgäste. Die zunehmende Nachfrage von Kindern unter fünf Jahren erfordert eigene Angebotsformen, heißt es aus dem Tierpark. Für eine klassische Führung sind die meisten Kinder in diesem Alter noch zu klein. Deshalb werden für das laufende Jahr neue altersgerechte Angebote entwickelt um auch diese Kinder für Tiere zu begeistern.

Insgesamt haben im Jahr 2017 fast 15.000 Teilnehmer in 657 Gruppen an den Angeboten der Zooschule teilgenommen.

Und auch die Fachwelt ist gespannt auf die Nordhorner Zooschularbeit. Im März findet die nur alle zwei Jahre stattfindende Tagung des Verbandes der Zoopädagogen in Nordhorn statt.

Niedersachsenweit einmalige Weltgarten-Ausstellung

Das Jahr 2018 steht im Tierpark ganz im Zeichen des Weltgartens. In dieser niedersachsenweit erstmals gezeigten Ausstellung werden unter anderem wichtige Zukunftsthemen wie Welternährung und Klimaschutz angesprochen. Zusammen mit dem Arbeitskreis Eine Welt e.V. Nordhorn und dem Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. bereitet der Tierpark diese Ausstellung nun intensiv vor. Weitere Partner aus den Bereichen Arten- und Naturschutz, Landwirtschaft und Eine-Welt-Arbeit konnten bereits gewonnen werden.

Die Bauarbeiten beginnen Ende Januar, so dass passend zur Eröffnung am 27.4. alles vorbereitet ist. Auch die Bildungsangebote befinden sich zurzeit in der Ausarbeitung, so dass hier während der Ausstellung für Kindergärten und Schulen ein besonderes inhaltliches Programm geboten werden kann. In Kürze wird den Schulen hierzu entsprechendes Material zugehen.

„Mit dem Weltgarten sprechen wir wichtige Zukunftsthemen an!“ freut sich Dr. Nils Kramer. „Der Tierpark soll auch Diskussionsplattform für gesellschaftliche und entwicklungspolitische Themen sein, die uns alles betreffen.“

Mit dem Weltgarten ist auch das erste große, wenn auch zeitlich begrenzte Projekt auf dem neuerworbenen Erweiterungsgelände in der Realisierungsphase.

Der schöne Nebeneffekt sei, dass so begrenzt für ein Jahr schon ein echter Höhepunkt auf dem Erweiterungsgelände präsentiert werden kann, während im Hintergrund die Planungen und Abstimmungen für die zukünftige Gestaltung weitergehen, so Kramer. Bevor die neue Fläche zukünftig mit neuen Gehegen bebaut werden kann, müssen erst die planungsrechtlichen Voraussetzungen hierfür geschaffen werden. Alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck daran, diesen Prozess in diesem Jahr abzuschließen. „Unser Ziel ist, die planungsrechtlichen Voraussetzungen im Sommer geschaffen zu haben, aber Gründlichkeit geht hier vor Schnelligkeit!“ so der Tierparkleiter und fügt freudig hinzu. „Ideen für die neue Fläche haben wir viele. Wir nutzen diese Zeit um sie auf ihre Realisierbarkeit zu prüfen!“

Bereits Ende des Jahres realisiert wurde die neue Südamerikaanlage. Viele Besucher werden sie im Laufe des Jahres das erste Mal erleben können. Nachdem die Alpakas bereits in kleinen Gruppen eingewöhnt werden konnten, sind die Maras mit ihrem Nachwuchs in der letzten Woche auf die neue Anlage umgezogen und gewöhnen sich nun in der begehbaren Anlage ein.

Die freiwerdende alte Alpakaanlage wird dann in der nächsten Zeit modernisiert und umgebaut. Hier soll eine neue und bisher im Tierpark nicht vertretende Tierart präsentiert werden. „Wir wollen hier eine Hirschart präsentieren!“ so Dr. Nils Kramer. „Der Vietnam-Sika-Hirsch ist in freier Wildbahn ausgerottet, hier können wir aktiv etwas für die Arterhaltung leisten!“

Diese Unterart des Sikahirsches gibt es nur noch in menschlicher Obhut. In Europa wird die Arterhaltung durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) gemanagt, aus dem auch die Tiere stammen, die zukünftig im Nordhorner Tierpark zu sehen sind. Ein genauer Zeitpunkt kann hierfür noch nicht genannt werden. Man sei mit dem EEP in engem Austausch um zu sehen, welche Tiere sich für die neue Nordhorner Gruppe eignen werden.

Größtes tierisches Projekt ist natürlich der bevorstehende Neubau der Leopardenanlage. Hier sind die aufwendigen internen Planungen und Abstimmungsprozesse so gut wie abgeschlossen. „Wir planen, in diesem Jahr mit den Baumaßnahmen zu beginnen!“ so der Zoodirektor. „Unser Dank gilt dem Förderverein und den vielen Spendern für das großartige Engagement!“

Durch diese Unterstützung aus der „Leopardenkampagne“ stehen erfreulicherweise auch die ersten Mittel für Realisierung der Pläne bereit. Über weitere Unterstützung freut sich der Tierpark natürlich sehr.

 

Foto: Franz Frieling

2018-02-07T12:10:47+00:00